Supermärkte und Tankstellen
auf dem Weg nach Buckow.

Ein Stau und eine Trabrennbahn
auf dem Weg nach Buckow.

Spielhöllen und Möbelparadiese
auf dem Weg nach Buckow.

Windräder und Schlöte
auf dem Weg nach Buckow.

Steinhäuser und Ruinen
auf dem Weg nach Buckow.

Schienen, die ins Leere laufen,
auf dem Weg nach Buckow.

Eine Kathedrale aus Bäumen
auf dem Weg nach Buckow.

Ein Specht und ein Reh
auf dem Weg nach Buckow.

Bertolt und Helene
auf dem Weg nach Buckow.

Du und ich
auf dem Weg nach Buckow.

dsc03015

Spiegel, die verzerrte
Gesichter zeigen,
Metamorphosen, ein
aufgefächerter Blick.

Ein Eiffelturm, der
schief steht wie der
zu Pisa,

Dosen, mit frischen
blauen Äpfeln im Gepäck.

Schmetterlinge und Vögel,
aus Büchern von gestern
geschnitten,

sterbende Engel ohne Flügel,
die um Küsse sich stritten.

Worte, fliegende Lippen,
auch Venus lebt hier,

Pilze und Eier,
Vogelhäuschen und
Nofretete in Papier.

Allerlei Zer-
rissenes

und ein
zerknittertes

Selbstbildnis
von dir.

(für Jiří Kolář)

Zarte Blüte, verletzliches Reh,
Kindkönigin auf eigenem Planeten,
Tänzerin in einem unsichtbaren Universum
jenseits von Raum und vor jeder Zeit –
den Blitz aus dem Stein erlösend,
mit Zauberworten, die den
Sternennebeln entliehen, –
Fischfrau, die im Sand überlebte,
Lichtsängerin in Mördernacht,
Heilerin des Tausendschmerz,
jenseits des Staubs,
in verlorenen Schuhen,
Engelin der Liebe,
Engelin, oh Engelin.

Nelly Sachs zum 125. Geburtstag,
10. Dezember 1891

Im Jahr 2010 war ich für zwei Wochen in einem der Resorts des tunesischen Ortes Sousse, die damals noch gut besucht waren und einem bizarren Schmelztiegel glichen. Hier verbrachten Deutsche ihren Urlaub, Franzosen, Italiener, aber auch Russen, wohlhabende Marokkaner, Ägypter und Libyer. Ich weiß nicht mehr, wie es sich ergab, aber eines Abends lernte ich Ahmeed kennen, einen 35-jährigen Libyer. Meine Geschichte einer kurzen Freundschaft auf dem Literaturportal Bayern.

Rauschender Warenstrom,
über den Brücken Land unter:
Lastwagen treiben durch
die Wasser der Nacht.

In der Ferne blinkende Lichter,
angeschwemmt goldener Glitzer,
Meteore im Nebel, Sirenen
in elektrischer Luft.

Ein Körper, der ungebremst fiebert,
melodischer Herzschlag der
Wellen, Autosuggestion.

Am anderen Ufer ein Zelt.
Davor ertrinkendes Feuer.
Anschwellender Strom.

an_der_donau

Wie abweisend sich
die Möwen bewegen.
Sie picken unbeteiligt im Sand,
aber immer auf Abstand.

Und dann, scheinbar ohne
Grund, fliegen sie weg.
Wir sehen ihnen zu und
können uns nicht entschließen.

Die Nacht war lang.
Die Sonne ging nicht unter.
Wir liegen herum wie
aufgebrochene Muscheln.

Der Wind blättert durch die Zeitung,
auf den ersten Seiten
Nachrichten vom Krieg.
Tote ohne Zahl und Namen.

Wir sehen den Wellen zu,
kein Wort fällt zwischen uns.
Etwas ist gestrandet in dir und mir.
Keiner weiß, wann es war.

Sand auf unseren Lippen,
in den Augen, Sand überall.
Die Möwen kehren nicht zurück.
Am Horizont brennt ein Schiff.

Am Strand