Baum an Baum an Baum,
militärisch aufgestellt,
unten das Moos
bildet Schützengräben.

Rekrutengleich marschieren
wir übers Schlachtfeld.
Im Hinterhalt
lauern Maronen.

Unterm Hochsitz leg ich dir
Küsse in den Korb.

Wie wir den Krieg gewannen.

Der Fernseher läuft.
Beständig und wahr-
nehmbar. Dieses Flim-
mern.

Draußen füllt sich alles an.
Mit den Tropfen des ver-
gangenen Nachmittagsregens.
Die fallen jetzt von den
Dächern.

Da war etwas, dahinter.
Zwischendrin.

Füllt sich an mit:

Gene sind Menschen.
Nanopartikel sind Menschen.

Innen, hinter dem Bild-
schirm. In der Röhre,
außen.

Leere.
Eine Leere, die
keine Blätter füllt.
Das steht auf
keinem Blatt.

Ich hatte einen Gedanken.
Wie froh ich bin,
ihn verloren zu haben.
Hypermnesie wäre der Tod.

Ich setze mich auf das
Bett und drehe mich nicht um.

Mars wütete über
den Dächern der
schlafenden Stadt.
Seine Haut hatte

die Flut frei gegeben,
und Blut rauschte
aus seinen Kratern
auf Einkaufszentren,

Parkgaragen und
die wie immer
ahnungslosen
Bürger herab.

Zehntausendmal
mehr Blut
als der Amazonas
Wasser führt,

mehr als der Nil,
der Jangtsekiang und
der Mississippi
zusammen.

Auch Phobos
und Deimos
staunten nicht
schlecht.

Wenn der Süden
des Herzens
eines Tages
im Norden steht,

wenn du
nicht mehr weißt,
wo oben und
unten ist,

wenn du die
Seiten wechselst
und auf die
schiefe Bahn gerätst,

wenn du dich
umsiehst und
dein Leben nicht
mehr vor dir liegt,

wenn Kontinente
sich unter deinen
Füßen verschieben,

zeigt die Nadel dir
nur ihre eigene
Bestimmung.

Supermärkte und Tankstellen
auf dem Weg nach Buckow.

Ein Stau und eine Trabrennbahn
auf dem Weg nach Buckow.

Spielhöllen und Möbelparadiese
auf dem Weg nach Buckow.

Windräder und Schlöte
auf dem Weg nach Buckow.

Steinhäuser und Ruinen
auf dem Weg nach Buckow.

Schienen, die ins Leere laufen,
auf dem Weg nach Buckow.

Eine Kathedrale aus Bäumen
auf dem Weg nach Buckow.

Ein Specht und ein Reh
auf dem Weg nach Buckow.

Bertolt und Helene
auf dem Weg nach Buckow.

Du und ich
auf dem Weg nach Buckow.

dsc03015

Spiegel, die verzerrte
Gesichter zeigen,
Metamorphosen, ein
aufgefächerter Blick.

Ein Eiffelturm, der
schief steht wie der
zu Pisa,

Dosen, mit frischen
blauen Äpfeln im Gepäck.

Schmetterlinge und Vögel,
aus Büchern von gestern
geschnitten,

sterbende Engel ohne Flügel,
die um Küsse sich stritten.

Worte, fliegende Lippen,
auch Venus lebt hier,

Pilze und Eier,
Vogelhäuschen und
Nofretete in Papier.

Allerlei Zer-
rissenes

und ein
zerknittertes

Selbstbildnis
von dir.

(für Jiří Kolář)