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Nachtfalter

O Frucht des Sommers
dein Schatten ging unter
deine Ernte ward nicht eingeholt
unter blauen Tannen
warten nun die Jäger
auf des Winters schwere
Strafe

Die Kähne festgefroren auf den
alten Flüssen
doch die Transporte
rollen weiter auf dem
schwarzen Teer

den untersten Schichten
der Erde entnommen
aus dem Rücken der
Rehe geschnitten und
den Bienen geraubt

für einen Mangel
der sich nicht
verwalten lässt beim
Abschied von der Erde

Deine Schritte, meine Schritte
Fußabdrücke, Grashalme, geknickt
im Stroh ein Leib
im Wasser ein Stumpf
ein verfaulter Baum

Das Wasser ist braun
du versinkst im Sumpf
ich kann dich nicht halten
die Erde zieht
wir sinken

Am Ende atmen wir
durch ein Schilfrohr
gemeinsam

(Assiniboine VI)

Die Erde schmeckt nicht mehr
mein Freund
kein Salz, kein Honig
kein Kraut, kein Wein

Sie zergeht nicht mehr
auf der Zunge
stecken bleibt sie im Hals

ersticken
ersticken werden wir an ihr
so sehr wir auch
schlucken
und
schlucken

(Assiniboine III.)

Schlaf raubt Kraft
Wasser nimmt Schutz
Teer schenkt falschen Atem

In den Morgen Kummer fließt
Bruder schippt und schippt und schippt:
Teer bleibt haften

Bedeckt schwarz die Zeit
keine Freundschaft bleibt
Nur Teer am Spaten.

(Assiniboine I.)

Auf der Flucht
über den Fluss
dein Fuß, dein Fuß
steckt im Schlamm

Hoch am Bein
kriecht der Schlamm
er schlammt dich ein
auf der Flucht
durch den Fluss.

(Assiniboine II.)

Am Rande der Stadt
die Schrebergärten
die Tankstellen
und Werkstätten
dort, im Gestrüpp
um das sich niemand
kümmert
verliert die Zeit
ihr Maß

Sie teilt sich nicht
setzt sich nicht fort
verharrt
und wartet ab
die kommenden Verbrechen

Geduldig und
siegesgewiss
hält sie an
lauert
stockt
bis die ersten
Schüsse fallen