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Nachtfalter

Die Erde schmeckt nicht mehr
mein Freund
kein Salz, kein Honig
kein Kraut, kein Wein

Sie zergeht nicht mehr
auf der Zunge
stecken bleibt sie im Hals

ersticken
ersticken werden wir an ihr
so sehr wir auch
schlucken
und
schlucken

(Assiniboine III.)

Schlaf raubt Kraft
Wasser nimmt Schutz
Teer schenkt falschen Atem

In den Morgen Kummer fließt
Bruder schippt und schippt und schippt:
Teer bleibt haften

Bedeckt schwarz die Zeit
keine Freundschaft bleibt
Nur Teer am Spaten.

(Assiniboine I.)

Auf der Flucht
über den Fluss
dein Fuß, dein Fuß
steckt im Schlamm

Hoch am Bein
kriecht der Schlamm
er schlammt dich ein
auf der Flucht
durch den Fluss.

(Assiniboine II.)

Mit verbundenen Augen
sehe ich dich an:
schwarzer Schleier Iris
undurchsichtig, verwoben
keine Haltbarkeit des Augenblicks
nur ein Blinzeln
wimpernschnell
und in falschen Farben

Negativ gewendet
hinter der Pupille
ein Abdruck
es kann nur Liebe sein
was sonst sollte es sein?

Am Rande der Stadt
die Schrebergärten
die Tankstellen
und Werkstätten
dort, im Gestrüpp
um das sich niemand
kümmert
verliert die Zeit
ihr Maß

Sie teilt sich nicht
setzt sich nicht fort
verharrt
und wartet ab
die kommenden Verbrechen

Geduldig und
siegesgewiss
hält sie an
lauert
stockt
bis die ersten
Schüsse fallen